Perspektivwechsel: Miteinander reden, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist

Was 2024 mit einer Einladung an den Spiegel-Chefredakteur in Görlitz begann, wird im Berliner Theater Ost als Gesprächsreihe fortgesetzt. Ein Format für offene Debatten und unterschiedliche Erfahrungen.
In Deutschland wird viel übereinander gesprochen. Über Ostdeutsche und Westdeutsche, über politische Lager, über vermeintlich richtige und falsche Haltungen. Direkte Gespräche zwischen Menschen, die unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben und zu gegensätzlichen Einschätzungen gelangen, finden dagegen erstaunlich selten statt.
Mit dem Format „Perspektivwechsel“ wollen wir das ändern.
Die Idee ist einfach: Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Interessen und Überzeugungen begegnen sich auf Augenhöhe. Sie stellen einander Fragen, widersprechen und versuchen zu verstehen, wie der andere zu seinen Schlussfolgerungen kommt. Das Gespräch hat kein vorgegebenes Ergebnis. Einigkeit ist nicht erforderlich.
Der Anfang in Görlitz
Ausgangspunkt war eine Auseinandersetzung zwischen dem Berliner Verlag und dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Nach einem kritischen Bericht über die Berliner Zeitung und ihren Verleger lud Holger Friedrich den damaligen Spiegel-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit zu einer öffentlichen Diskussion über Medienstandards und Meinungsvielfalt ein.
Am 21. November 2024 sollte das Gespräch im Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz stattfinden. Kurbjuweit nahm die Einladung nicht an.
Der Abend fand trotzdem statt. Friedrich diskutierte mit Theaterintendant Daniel Morgenroth über Pressefreiheit, journalistische Verantwortung und den Umgang der Medien mit Ostdeutschland. Das Publikum konnte die Diskussion im Theater und im Livestream verfolgen.
Der Abend zeigte, dass sich auch schwierige Fragen öffentlich und ohne vorherige Einigung über die richtigen Antworten verhandeln lassen.
Fortsetzung im Theater Ost
Am 22. Januar 2026 wurde aus dieser Erfahrung eine regelmäßige Gesprächsreihe. Gastgeber Holger Friedrich empfing im Theater Ost in Berlin-Adlershof den Journalisten und Verleger Jakob Augstein, Miteigentümer des Spiegel-Verlags und Verleger der Wochenzeitung Der Freitag.
Die beiden diskutierten über Medien, Politik und die unterschiedlichen Erfahrungen von Ost- und Westdeutschen mehr als 35 Jahre nach der Wiedervereinigung.
Der Veranstaltungsort ist bewusst gewählt. Das Theater Ost befindet sich in einem ehemaligen Fernsehstandort der DDR, von dem einst die Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“ ausgestrahlt wurde. Heute bietet es Raum, um unterschiedliche Deutungen von Geschichte und Gegenwart öffentlich zu diskutieren.
Weitere Gespräche mit wechselnden Gästen sollen folgen.
Was wir erreichen wollen
Perspektivwechsel beruht auf einer einfachen Annahme: Die eigene Sicht auf die Welt wird vollständiger, wenn man andere Sichtweisen ernsthaft prüft.
Dafür muss niemand seine Überzeugungen aufgeben. Aber jeder sollte bereit sein, sie zu erklären, zu hinterfragen und gegebenenfalls zu korrigieren.
Besonders wichtig ist uns das Verhältnis zwischen Ost und West. Die Erfahrungen aus zwei unterschiedlichen Gesellschaftssystemen und der anschließenden Transformation sind eine gemeinsame Ressource. Sie werden bislang zu selten miteinander in Beziehung gesetzt.
Der Perspektivwechsel soll dazu beitragen, dieses Wissen nutzbar zu machen. Welche Erfahrungen ergänzen sich? Wo liegen tatsächliche Interessengegensätze? Und welche Antworten auf die Fragen der Gegenwart entstehen erst, wenn beide Seiten einander zuhören?
Die Gespräche sind öffentlich und werden als Video dokumentiert. Jeder kann sich selbst ein Bild machen.
Die bisherigen Gespräche: