Ostdeutschland hat kein Potenzialproblem. Es hat ein Realisierungsproblem.

Our survey of business owners shows that there is a willingness to invest. What is lacking are the conditions under which projects actually become investments.
In Ostdeutschland ist erstaunlich viel vorhanden: Unternehmen, Forschung, industrielle Kompetenz, Flächen und Menschen, die investieren und etwas aufbauen wollen. Trotzdem entsteht daraus zu wenig Wachstum. Wir wollten wissen, warum. Gemeinsam mit den ostdeutschen Unternehmerverbänden haben wir deshalb im Rahmen des 8. Ostdeutschen Unternehmertags Unternehmer und Führungskräfte aus allen ostdeutschen Ländern und Berlin befragt und zuvor ausführliche Gespräche mit Unternehmern geführt.
Der Befund ist ziemlich eindeutig.
62 Prozent planen grundsätzlich Investitionen oder Erweiterungen, bereiten sie vor oder haben sie bereits beschlossen. Bei 37,7 Prozent hängt die Investition ausdrücklich davon ab, ob die Rahmenbedingungen stimmen.
99 Prozent sagen: Schnellere Behörden und digitale Verfahren reichen nicht. Manchmal verhindern die Regeln selbst ein wirtschaftlich sinnvolles Vorhaben.
Da liegt die Krux: Deutschland diskutiert seit Jahren über Bürokratieabbau und schnellere Verwaltung. Beides ist richtig (und zu langsam). Aber ein falsches Verfahren wird nicht dadurch richtig, dass es digital schneller durchlaufen wird.
Deshalb schlagen wir einen anderen Blick auf Ostdeutschland vor: Vom Fördergebiet zum Realisierungsraum
Ostdeutschland wird noch immer darüber beschrieben, was fehlt. Weniger Kapital. Weniger Konzernzentralen. Weniger Produktivität. Das stimmt teilweise. Es übersieht aber die andere Seite. Es gibt starke industrielle Cluster, gute Hochschulen und Forschungseinrichtungen, technologische Kompetenz, verfügbare Flächen und viel Erfahrung mit Veränderung. Gleichzeitig liegen die Unternehmensinvestitionen weiterhin deutlich unter dem westdeutschen Niveau.
Die interessante Frage lautet deshalb nicht nur: Was fehlt? Sondern: Was müsste sich ändern, damit aus dem, was bereits da ist, mehr entsteht?
Das haben wir Unternehmer gefragt. Ein Unternehmen will bauen, investieren, eine Technologie in den Markt bringen oder einen Standort erweitern. Dann sollte die Politik nicht zuerst fragen, welches Förderprogramm passt. Sondern: Was verhindert die Umsetzung? Fehlt Kapital? Infrastruktur? Eine Genehmigung? Oder steht schlicht eine Regel im Weg, deren Zweck sich auch anders erreichen ließe?
Deshalb schlagen wir einen ersten 100-Tage-Realisierungsprozess mit konkreten Investitions- und Innovationsvorhaben vor. Nicht noch ein Papier über bessere Bedingungen, sondern ein Vorhaben, das heute nicht zustande kommt und danach realisiert wird.
Warum wir diese Studie angestoßen haben
Wir halten wenig davon, Ostdeutschland dauerhaft über Rückstand und Förderung zu definieren. Interessanter ist für uns die Gegenfrage: Wo können wir Vorsprünge schaffen? Ostdeutschland hat dafür eine ungewöhnliche Ausgangslage. Industrie, Wissenschaft, Raum und Transformationserfahrung treffen auf eine Region, in der wirtschaftlicher Aufbau noch nicht abgeschlossen ist. Wenn es gelingt, hier bessere Bedingungen für Investitionen, Innovation und neue Geschäftsmodelle zu schaffen, ist das nicht nur für den Osten interessant.
Dann kann Ostdeutschland zeigen, was auch Deutschland und Europa brauchen.
Alles ist da. Entscheidend ist, ob wir es möglich machen.
Die vollständige Studie „Ostdeutschland – Deutschlands Chance für Europas Aufbruch. Realisierungsagenda für eine Wachstumsregion“ gibt es hier: https://www.ostdeutscher-unternehmertag.de/unternehmerbefragung-2026/