Aufbau Ost: Warum wir einen Abo-Wechselservice gestartet haben

Neue Medien brauchen neue Wege: Warum die OAZ Lesern den Wechsel erleichtert, weshalb der ostdeutsche Medienmarkt mehr Wettbewerb verträgt – und was wir damit erreichen wollen.
Aufbau Ost: Warum wir einen Abo-Wechselservice gestartet haben
Wenn man ein neues Medienangebot aufbaut, bekommt man viele gut gemeinte Ratschläge. Einer davon lautet oft: „Ihr sitzt doch alle in einem Boot.“ Gemeint sind damit die klassischen Zeitungsverlage, die gemeinsam gegen sinkende Auflagen, Big Tech oder die Plattformökonomie kämpfen.
Unser Eindruck war allerdings ein anderer. Als wir mit der OAZ in den ostdeutschen Medienmarkt gestartet sind, hatten wir nicht das Gefühl, besonders herzlich in dieses Boot eingeladen worden zu sein. Eher im Gegenteil. Wenn potenzielle Anzeigenkunden Gespräche mit den Worten beginnen: „Ach, Sie sind es – die XY-Zeitung hat uns schon vor Ihnen gewarnt“, dann merkt man schnell: Der Markt funktioniert oft weniger partnerschaftlich, als öffentlich behauptet wird.
Genau aus dieser Beobachtung heraus entstand die Idee zu Aufbau Ost.
Was ist Aufbau Ost?
Aufbau Ost ist unser Abo-Wechselservice. Vereinfacht gesagt: Wir helfen Menschen dabei, bestehende Zeitungsabos zu kündigen und unkompliziert zur OAZ zu wechseln.
Ohne versteckte Kosten. Ohne bürokratischen Papierkrieg. Ohne stundenlange Hotline-Gespräche. Der Service übernimmt den organisatorischen Aufwand für Leser, die sagen: „Eigentlich würde ich gern wechseln — aber der Prozess ist mir zu nervig.“
Das klingt erstmal banal. Tatsächlich erleben wir aber immer wieder, dass genau diese Hürde viele Menschen davon abhält, neue journalistische Angebote auszuprobieren.
Warum wir das machen
Der entscheidende Punkt dabei: Aufbau Ost ist keine groß angelegte „Abo-Abwerbekampagne“. Unser eigentlicher Markt sind nicht die bestehenden Zeitungsabonnenten anderer Häuser. Unser Fokus liegt vielmehr auf den vielen Menschen, die derzeit überhaupt keine Zeitung mehr lesen oder abonniert haben. Dort sehen wir das größte Potenzial — und ehrlich gesagt auch die wichtigste gesellschaftliche Aufgabe.
Trotzdem wollen wir konsequent kundenorientiert arbeiten. Wenn jemand sagt: „Ich würde ja wechseln, aber ich komme aus meinem alten Vertrag nicht raus.“ … dann helfen wir eben.
Der Name ist natürlich kein Zufall
Ja, der Name „Aufbau Ost“ ist bewusst gewählt. Zum einen natürlich mit einem Augenzwinkern. Zum anderen aber auch, weil wir tatsächlich glauben, dass Ostdeutschland mehr mediale Vielfalt, mehr neue journalistische Projekte und mehr Wettbewerb gebrauchen kann.
Wir sind überzeugt: Medienmärkte werden besser, wenn neue Angebote entstehen — nicht wenn bestehende Strukturen künstlich konserviert werden.
Wie funktioniert der Wechsel?
Der Ablauf ist bewusst einfach gehalten:
1. Leserinnen und Leser melden sich über die Plattform.
2. Wir prüfen die bestehenden Vertragsbedingungen.
3. Gemeinsam mit dem Kunden kümmern wir uns um Kündigung und Wechsel.
4. Anschließend startet das neue OAZ-Abo.
In der Praxis zeigt sich allerdings schnell: Der deutsche Abo-Markt ist erstaunlich kleinteilig organisiert.
Jeder Verlag hat andere Prozesse, Fristen, Kündigungswege und Sonderregeln. Teilweise müssen Leser selbst bestimmte Schritte übernehmen, teilweise laufen Kündigungen noch per Formular oder E-Mail.
Das macht den Vorgang recht aufwendig — zumindest aktuell noch.
Unser Product-Team prüft deshalb bereits, welche Teile des Prozesses sich künftig automatisieren lassen.
Und wie läuft es bisher?
Kurz gesagt: ruhig, aber gut. Der Service läuft bislang bewusst eher im Hintergrund. Seit dem Soft-Launch bewegen wir uns im niedrigen dreistelligen Bereich an Wechselanfragen. Für uns ist das aktuell weniger eine KPI als vielmehr ein Praxistest:
• Funktionieren die Abläufe?
• Wo entstehen Reibungen?
• Welche Prozesse lassen sich verbessern?
• Wie reagieren Leser?
Die Rückmeldungen der Nutzer sind bislang durchweg positiv. Viele sind überrascht, dass tatsächlich keine Zusatzkosten entstehen und wir den organisatorischen Aufwand übernehmen.
Und die Reaktionen anderer Verlage? Sagen wir es diplomatisch: öffentlich eher zurückhaltend. Mit Ausnahme des Berliner Verlags, der durch Aufbau Ost bisher exakt zwei Abonnenten an die OAZ verloren hat. 😉
Was wir langfristig damit bezwecken
Aufbau Ost ist für uns vor allem ein Signal. Ein Signal dafür, dass Medienhäuser wieder stärker vom Nutzer aus denken sollten — nicht vom Bestandsschutz alter Strukturen.
Menschen wechseln heute Streamingdienste, Mobilfunkanbieter oder Banken mit wenigen Klicks. Warum sollte ausgerechnet der Wechsel eines Zeitungsabos kompliziert sein?
Wir glauben: Gute journalistische Angebote müssen sich nicht hinter Kündigungsfristen verstecken. Sie müssen Leser überzeugen.
Und genau daran arbeiten wir.