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Wie aus Wiederholung Wirklichkeit wird

02.10.2026 - Update

Seit dem Start der OAZ beschäftigt uns eine Frage: Wie kommt es, dass ostdeutsche Perspektiven immer wieder diskreditiert werden, bevor man sich mit ihnen auseinandersetzt? Wir haben deshalb die Berichterstattung über unseren Verlag bis zu ihren Quellen zurückverfolgt. Was dabei sichtbar wurde, beschreiben wir in unserem OAZ-Artikel „Ein fast perfektes Verbrechen gegen demokratische Standards“.

Darin zeigen wir, wie Veröffentlichungen desselben Autors in verschiedenen Medien erscheinen und bei Wikipedia den Eindruck unabhängiger Bestätigungen erzeugen. Wie Bewertungen zu vermeintlichen Tatsachen werden, während widersprechende Informationen verschwinden. So würdigt die MDR-Kolumne „Altpapier“ ausdrücklich die Berechtigung ostdeutscher Erfahrungen und die journalistische Qualität der OAZ-Nachrichtentexte. In der untersuchten Wikipedia-Darstellung bleibt davon vor allem eine kritische Zuschreibung übrig, die der MDR selbst von einem anderen Autor übernommen hatte.

Dahinter erkennen wir einen Mechanismus: Fehlende Quellenpluralität, einseitige Auswahl und Auslassungen verstärken ein bestimmtes Bild, das durch Wiederholung an Glaubwürdigkeit gewinnt. Politische Überzeugungen und Eigeninteressen können diese Auswahl prägen. Das ist kein Urteil über den Journalismus insgesamt, aber auch kein Vorgang, den man als folgenlose Ausnahme abtun kann. Die bestehenden Kontrollen durch Redaktionen, Presserat und Medienanstalten verhindern solche Verzerrungen nicht zuverlässig. Auch unter dem Anspruch, Demokratie zu verteidigen und Populismus entgegenzutreten, kann so Desinformation entstehen.

Für ostdeutsche Perspektiven hat das besondere Folgen. Werden sie vorschnell als verdächtig oder rückständig eingeordnet, gehen Erfahrungen verloren, die zum Verständnis ganz Deutschlands beitragen könnten. Diese Frage haben wir anlässlich des Halleschen Mediengesprächs in „Vom Ostproblem zur Deutschlandfrage“ aufgegriffen: Was übersehen wir, wenn wir Entwicklungen im Osten als regionale Abweichung behandeln? Unsere Recherche zeigt, wie solche Deutungsmuster publizistisch verfestigt werden können. Auch bei Themen wie Antisemitismus, Migration oder Rechtsextremismus lohnt sich deshalb der genaue Blick auf Quellen und Kontext.

Aus unserer Sicht hilft dagegen vor allem Transparenz: Originalaussagen zugänglich machen, Quellenwege offenlegen und Behauptungen überprüfbar halten. Deshalb haben wir die Friedrich Asked Questions eingerichtet. Dort beantwortet Holger Friedrich selbst Fragen zu seinen Positionen und Absichten – als Primärquelle, an der sich Zuschreibungen prüfen lassen. Ebenso kann jeder bei Wikipedia dazu beitragen, falsche Darstellungen in den Bereichen zu erkennen und zu korrigieren, in denen er sich auskennt.

Den vollständigen OAZ-Beitrag darüber, wie aus einseitigen Bewertungen scheinbar gesichertes Wissen wird, finden Sie in der OAZ-Printausgabe vom 2.10.2026 und natürlich online.

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